Forschungspartnerschaften zwischen Institutionen aus dem sogenannten Globalen Süden und dem Globalen Norden werden zunehmend als unverzichtbar für die Bewältigung globaler Herausforderungen anerkannt – ein Grundsatz, der sich auch in den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG-Ziel 17.6) widerspiegelt. Dennoch sind viele Kooperationen nach wie vor von strukturellen Ungleichheiten geprägt, unter anderem beim Zugang zu Finanzmitteln, Forschungsinfrastruktur und wissenschaftlichen Publikationen.
Um besser zu verstehen, welche Faktoren gleichberechtigte internationale Forschungspartnerschaften ermöglichen, führte Christoph Lüthi von der Abteilung Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung an der Eawag eine qualitative Studie durch, die kürzlich im „Journal of Water, Sanitation & Hygiene for Development“ veröffentlicht wurde. Er befragte 26 Forschende und Personen im Forschungsmanagement aus unterschiedlichen geografischen und institutionellen Kontexten, die über Erfahrung mit internationalen Kooperationen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) verfügen.
Co-Kreation statt Top-down-Entscheidungen
Etwa die Hälfte der Teilnehmenden war der Ansicht, dass Forschungsschwerpunkte nach wie vor weitgehend von geldgebenden Institutionen – meist aus dem Globalen Norden – vorgegeben werden, anstatt gemeinsam mit Partnerinstitutionen und lokalen Gemeinschaften entwickelt zu werden. Stattdessen sollten Forschungsziele, Methoden und Verantwortlichkeiten von Anfang an gemeinsam definiert werden. Partnerschaftliche Entscheidungsfindung, transparente Mittelvergabe und die Anerkennung unterschiedlicher institutioneller Kontexte wurden ebenfalls als wesentliche Faktoren für vertrauensbasierte und gleichberechtigte Forschungspartnerschaften genannt.
«Faire Forschungspartnerschaften entstehen nicht von selbst. Sie erfordern bewusste Massnahmen, die sicherstellen, dass Entscheidungen gemeinsam gefällt, Forschungsschwerpunkte gemeinsam festgelegt und die Expertise aller Mitwirkenden anerkannt wird,» sagt Christoph Lüthi. «Partnerschaften, die auf gegenseitigem Vertrauen und Gleichberechtigung beruhen, schaffen die Grundlage für exzellente Forschung mit grösserer gesellschaftlicher Wirkung.»