Die Reaktion auf das Starkwindereignis vom Wochenende war nicht auf den Genfersee beschränkt: Auch im Vierwaldstättersee bei Luzern wurde Upwelling mit kaltem Wasser an der Oberfläche beobachtet, ebenso im Thunersee, wo dies zu einem deutlichen Temperaturabfall in der Aare führte.
Spannende Einblicke in unsere Seen
Die von der Eawag betriebene Plattform Alplakes dokumentiert nicht nur bisherige Upwelling-Ereignisse, sie hat dieses auch bereits vor einigen Tagen vorhergesagt. Wer also einen Blick auf die Plattform geworfen hatte, wurde beim Sprung ins kalte Nass nicht überrascht. Alplakes vereint dreidimensionale Modellrechnungen mit Satellitendaten und liefert so Vorhersagen zur Wassertemperatur in verschiedenen Tiefen – in 30-Minuten-Schritten für die nächsten fünf Tage. Alplakes wurde in letzter Zeit zudem deutlich ausgebaut und nutzerfreundlich gestaltet. Die Plattform bietet damit nicht nur spannende Einblicke für Forschende, sondern auch wertvolle Informationen für Wasserfachleute sowie Bürgerinnen und Bürger.
Neben Temperaturverläufen zeigt Alplakes auch andere dynamische Prozesse für 116 Seen in den und rund um die Alpen: etwa wie sich Blaualgen derzeit in unseren Gewässern ausbreiten. Auch Experimente können mit Hilfe der Plattform durchgeführt werden: Zum Beispiel können Substanzen an einem beliebigen Punkt in einen See eingebracht werden – Alplakes berechnet dann, wohin die Substanzen von der aktuellen Zirkulation transportiert werden. Eindrücklich zeigen sich auch die Folgen des Klimawandels auf die Schweizer Seen, zum Beispiel wie sich die Wassertemperaturen in der Vergangenheit angestiegen sind und welche Entwicklung für die kommenden Jahrzehnte zu erwarten ist. Oder die Auswirkungen der Erwärmung auf die Schichtung des Sees.
Klimawandel verändert die Durchmischung der Seen
Tiefenprofile auf Alplakes zeigen etwa, wie sich die oberen Wasserschichten im Sommer erwärmen und im Winter abkühlen. Verglichen damit bleibt das Tiefenwasser in tiefen Seen mit etwa 5 bis 6 Grad das ganze Jahr über konstant kühl. Diese Schichtung sorgt im Sommer für geringe vertikale Zirkulation. Im Winter hingegen, wenn sich der gesamte See auf eine einheitliche Temperatur abkühlt, kommt es zu einem wichtigen Austausch zwischen nährstoffreichem Tiefen- und sauerstoffreichem Oberflächenwasser. «Dieser Austausch ist essenziell für das Ökosystem unserer Seen», betont Bouffard. «Doch mit der Klimaerwärmung kühlt sich das Oberflächenwasser im Winter mancherorts nicht mehr ausreichend ab. Der notwendige Zirkulationsprozess wird gestört – mit drastischen Folgen für das Leben in der Tiefe.»
Alplakes: Wissen für das nachhaltige Managen unserer Seen
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Plattform rund 150'000 Zugriffe – ein grosser Erfolg. Dennoch gibt es noch Herausforderungen. «Unsere Modelle sind in den Uferzonen bisher weniger genau», räumt Bouffard ein. «Gerade dort halten sich aber die meisten Badenden auf. Wir investieren derzeit gezielt in die Verbesserung dieser Vorhersagen.»
Ziel von Alplakes ist es, das Verständnis und Management von Seen zu verbessern. Die Plattform richtet sich nicht nur an Forschende, sondern auch an Fachpersonen aus der Wasserwirtschaft sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. «In Zeiten des Klimawandels wollen wir helfen, fundierte Entscheidungen im Seemanagement zu treffen», so Bouffard. «Und das Bewusstsein für den Wert und die Verletzlichkeit unserer Seen stärken.»