Die Covid-19-Pandemie führte zu einer einmaligen Situation für die Seenforschung. Mit den Lockdowns, die zwischen 2020 und 2022 weltweit verhängt wurden, kam das öffentliche Leben vielerorts nahezu zum Erliegen. Freizeitaktivitäten und Tourismus gingen drastisch zurück, Handel und Verkehr brachen ein und Industrie und Landwirtschaft produzierten weniger. Diese Ausnahmesituation ermöglichte es den Forschenden direkt zu beobachten, wie sich menschliche Aktivitäten auf Seeökosysteme und die Trübung ihres Wassers auswirken. So gewannen sie wichtige Erkenntnisse, denn die Trübung ist für die Wasserqualität ein wichtiger Indikator. Trübes Wasser lässt weniger Licht in tiefe Gewässerschichten dringen, hemmt somit das Pflanzenwachstum und begünstigt Sauerstoffmangel am Gewässergrund.
Ein internationales Team um Wenfeng Liu und Defeng Wu von der China Agricultural University, Beijing, und Daniel Odermatt vom Schweizerischen Wasserforschungsinstitut Eawag untersuchte die Trübung von 774 Seen weltweit im Zeitraum von 2017 bis 2022. Grundlage waren Satellitendaten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus Global Land Service, die das Team mithilfe statistischer Modelle und künstlicher Intelligenz auswerteten. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Nature, Communications Earth & Environment publiziert.